Von einem Leser meines Blogs angeregt, möchte ich hier in loser Reihenfolge nun auch Erfahrungen aus meiner Praxis als Kommunikationstrainer für Technikerinnen und Techniker einfließen lassen.
Der Ruf nach Manipulation und “Techniken”
Es passiert beinahe in jedem meiner Seminare der Reihe Als TechnikerIn effektiv kommunizieren, dass mich ein oder zwei Seminarteilnehmer auf “manipulative” Werkzeuge bzw. “Techniken” ansprechen, wie Mitmenschen in der Kommunikation manipuliert werden können. Bei mir ruft dieser “fromme Wunsch” meist nicht nur Stirnrunzeln hervor, sondern ich sehe darin auch oft ein Abbild der Arbeitskultur von Technikern. Dazu passend die Aussage eines leitenden IT-Angestellten:
“Wir Techniker sind jeden Tag mit Problemen konfrontiert. Wir müssen diese analysieren und für eine Lösung sorgen. Da gibt es kein Wenn und Aber.”
Ähnlich versuchen es aus meiner Erfahrung viele Techniker und Technikerinnen in der alltäglichen Kommunikation. Sie haben ein Problem mit einem Kunden, Kollegen oder Vorgesetzten erkannt und analysiert. Nun sind sie auf der Suche nach einer griffigen Lösung, die sofort die “stockenden Prozesse” wieder zum Laufen bringt.
Ernüchternd
Äußerst ernüchternd fällt dann bei derartigen “Anfragen” meine freundliche Antwort aus.
“Kommunikation ist ein allzu vielschichtiger Prozess, als dass dieser durch punktuell eingesetzte Methoden gut funktionieren kann.”
Im Nachsatz: Eine Änderung in der Kommunikation hat immer mit der Änderung bzw. Reflexion der eigenen Person zu tun.
- Welches Verhaltensmuster bringe ich ein?
- Was ist mein Anteil, dass die Kommunikation nicht funktioniert?
- Wie wirke ich auf meinen Gesprächspartner?
- Querdenker-Zugang: Wie könnte ich die Situation noch verschlimmern?
Oft entwickeln sich aus diesen Seminargesprächen am Abend auch regelrechte Einzelcoachings, wo es noch zumeist gelungen ist, dem Teilnehmer einen anderen Blickwinkel auf sich und seine Kommunikationsfertigkeiten zu vermitteln. Der Ruf nach “einfachen Techniken” ward dann nicht mehr gehört…
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Verfasst von Andreas Reisenbauer
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)

Diese Ansichten kenne ich auch nur zu gut. Was die Stoiker schon vor über 2000 Jahren wussten, hilft auch noch heute. Die Sicht der Welt entsteht im eigenen Kopf. Also auch die Kommunikationsprobleme mit dem „Du” sind „Ich” gemacht. Vielleicht schmerzlich aber auch hilfreich – denn auf das „Ich” habe ich weitaus mehr Einfluss.
— Sigi 23.07.2007 17:32 #