In einem Wirtschaftsblatt-Artikel stand kürzlich zu lesen, dass Führungskräfte oft aus dem Bauch heraus agieren und das fachliche Handwerkszeug fehlt.
Meine Branchenkollegin Ruth Seliger führte darin aus, dass die Finanzkrise auch aufzeige, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Unternehmen Fehlentwicklungen eingeschlichen haben. Dazu zählt sie die Tendenz, “dass Führung privatisiert und vollständig in die Hände einzelner Personen gelegt wurde.” Aus ihrer Sicht gehe es vielmehr darum, dass Führung als Aufgabe im Sinne der jeweiligen Organisation zu verstehen sei. Ein Aspekt, dem ich nur nachdrücklich zustimmen kann.
Bauchgefühl versus Wissen
Eine weitere Aussage in Verbindung mit einer aktuellen Managerumfrage der Karmasin-Motivforschung hat mich allerdings stutzig werden lassen. Seliger ist der Meinung, dass Manager ihre Entscheidungen selten auf der Basis fundierten Wissens, sondern aus dem Bauch heraus trefffen.
Dazu die Karmasin-Umfrage:
- Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, immer genau zu überlegen, warum sie in der jeweiligen Situation bestimmte Führungsinstrumente einsetzen
- Acht Prozent der 370 befragten Manager stützen sich in ihrer Führungstätigkeit gerne auf theoretische Konzepte und Modelle.
Differenzierung bitter notwendig
Nun, die Ergebnisse der Karmasin-Umfrage stimmen mich nicht sonderlich nachdenklich. Außerdem fordere ich auch eine Differenzierung ein. Im Führungskontext nach dem Bauchgefühl zu entscheiden, bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass ein Defizit im fachlichen Know-how besteht. Das letzteres vorhanden sein muss, sollte schließlich außer Streit stehen.
Warum ist das gerade für technische Führungskräfte relevant?
Gerade bei technischen Führungskräften merke ich leider oft, dass die Fakten, Führungsinstrumente und das Basiswissen im Vordergrund stehen. “Weiche Bauchentscheidungen” fristen nur zu oft ein stiefmütterliches Dasein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Technikerinnen und Techniker in Führungsverantwortung nicht fähig sind, Bauchentscheidungen zu treffen. Gerade in der Mitarbeiterführung würde ich mir allerdings wünschen, dass diese Bauentscheidungen noch einen größeren Stellenwert bekommen würden. Mitarbeiter sind schließlich Menschen, Führungsinstrumente orientiereren sich leider oft nur sehr eingeschränkt an die Vielfalt der involvierten Personen.
Wer mehr über Intuition, Bauchgefühl & Co. lesen möchte, ist hier richtig.
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Verfasst von Andreas Reisenbauer
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
