Im CIO-Portal war vor kurzem der markige Titel zu lesen: ITler halten nichts von Soft Skills. Aha, dachte ich mir, bevor ich weiterlese. Schon im ersten Absatz war wenig Neues zu erfahren:
Kann jemand nicht kommunizieren, verhandeln oder andere für sich gewinnen, hat er trotz allem Fachwissen verloren.
Und weiter:
Wenn IT-Mitarbeiter freundlich und kundenorientiert auftreten, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Business und IT besser. Ganz unabhängig davon ob man am Help Desk, als Business-Analyst oder als Manager von Outsourcing-Beziehungen arbeitet – sie alle benötigen für Ihren Job Soft Skills.
Hier folgte der nächste Aha-Moment für mich – mein Stirnrunzeln wurde immer breiter. Die obige Aussage impliziert, dass IT-Mitarbeiter Soft Skills nicht haben und sich diese erst mühsam aneignen müssen. Das ist – gelinde gesagt – völliger Schwachsinn. Jeder Mensch, egal ob ITler, Jurist, Arzt, Putzfrau, Fabriksarbeiter, besitzt Soft Skills. Bei dem einen sind sie eben stärker ausgeprägt bzw. ist dieser durch Coachings oder Trainings vielleicht stärker sensibilisiert. Beim dem anderen eben nicht. Das auf eine gesamte Berufsgruppe umzumünzen halte ich für sehr gefährlich.
Aber es geht in dem Artikel noch weiter:
Karriere-Expertin Catherine Kaputa berichtete darin vom “Widerstand der ITler gegen Soft Skills”.
Wenn Kaputa vor ITlern über Soft Skills und ihre Bedeutung fürs Karriere-Management spricht, murren einige ITler. Sie seien in die IT gegangen, um für sich und unabhängig arbeiten zu können.
Richtig, den letzten Satz unterschreibe ich gerne. Denn diesen höre ich oft auch bei meinen Trainings – etwa zum Thema Kundenorientierung für Techniker. Technisch geprägte Menschen beschäftigen sich deshalb beruflich mit der Technik, weil es ihnen Spaß macht. Sie sind keine Verkäufer oder besonders extravertiert. Sie beschäftigen sich gerne mit Details und Fakten. Na und?
Vermischt
In dem CIO-Artikel wurden aus meiner Sicht zwei Dinge vermischt: Im Soft-Skill-Bereich gibt es gehörige Grauzonen, Kommunikation, Konflikte oder Emotionen sind eben nicht mit Nullen oder Einsen zu erklären oder zu steuern. Das macht vielleicht dem einen oder anderen technischen Mitarbeiter Angst. Weil diese Prozesse nicht immer rational nachvollziehbar sind. Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Damen und Herren der Technik dafür zu sensibilisieren – aber sicher nicht mit der Holzhammer-Methode, wie in dem Bericht angedeutet. Sondern schon eher mit der Nutzenargumentation und den daraus resultierenden Vorteil für den Einzelnen.
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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
