Der Organisations- und Sozialpsychologe Prof. Dr. Wolfgang Scholl hielt bei der “Langen Nacht der Wissenschaften” an der Humboldt-Universität zu Berlin im Juni 2009 einen Vortrag über die Psychologie der Macht
In seinem Vortrag ging es um die Themen Macht als Einwirkungspotenzial, Machtnutzung und Praxisempfehlungen für Führungskräfte.
Interessant finde ich die von ihm empfohlenen Organisationstechniken, die Einflussnahme statt Machtausübung beinhalten, um den Wissenszuwachs und die Effektivität in Organisationen zu fördern:
Kooperative Führung / Partizipation / Empowerment:
Wechselseitige Einflussnahme und Kompetenzerhöhung statt Machtausübung, um Reaktanz abzubauen und Wissen zu mobilisieren.
Management by objectives:
Gemeinsam Ziele und ihre Erreichbarkeit
ausloten und vereinbaren (statt Ziele zu setzen).
Organisationsentwicklung:
Änderungen unter Beteiligung aller
Betroffenen, um ihre Interessen und ihr Wissen zu berücksichtigen.
Kooperative Konflikthandhabung:
Auf Machtkämpfe verzichten
und gemeinsam neue Ideen generieren und ausloten.
„Job enrichment“ und teilautonome Arbeitsgruppen:
Fremdkontrolle reduzieren, Selbstkontrolle erhöhen.
Flache Hierarchien:
Hierarchische Macht ersetzen durch Experteneinfluss, besonders in wissensintensiven Organisationen.
Da haben wir doch einige “alte Bekannte” wiedergefunden, Wolfgang Scholl weiß natürlich darum und daher auch sein Nachsatz:
Leider werden die Empfehlungen zu wenig beherzigt, weil oft der
Wunsch nach mehr Macht dem entgegen steht.
Auch in seinem Schlusswort bringt er das zerstörerische Streben nach Macht auf den Punkt:
Einflussnahme, bei der Interessen und Meinungen des / der Anderen respektiert werden, führt zu positiven Gefühlen, zu weniger Reaktanz oder Hilflosigkeit, zu besseren Beziehungen, zu weniger moralischer und materieller Korruption, zu mehr Einsicht und höherer Effektivität als Machtausübung. Dabei schädigen sich Machthaber durch Machtausübung selbst, weil sie abweichendes Wissen von weniger Mächtigen nicht ernst nehmen, so dass sie wenig dazu lernen. Die moralische Korruption bei unkontrollierter Machtausübung in hohen Machtpositionen führt zusammen mit fehlendem Lernen zu einer großen Gefahr für die geführten Systeme, in Wirtschaft und Gesellschaft, in Wissenschaft und Politik. Drastisch zeigen das die diktatorischen Regime aller Zeiten, die faschistischen wie die kommunistischen, religiöse wie säkulare, Eroberungsheere wie Befreiungsbewegungen.
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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)

Ich denke die Dimensionen:
__Macht
__Eitelkeit
__Status
spielen immer mit.
Gefährlich wäre es einem Trugschluß aufzulaufen, dass durch Managementtechniken oder Organisationsformen diese Aspekte auflösbar wären. Aus den obigen Techniken können dann auch rasch “leere Hüllen” werden, wenn die nötigen Haltungen und Handlungsmuster nicht kongruent dazu passen.
sunshine!
Jan A. Poczynek
— Jan A. Poczynek 17.08.2009 06:56 #