Der richtige Zeitpunkt fürs Handout-Verteilen

05.08.2010

Im Alltagsforschung-Blog war vor kurzem zu lesen, dass es nicht schaden würde, wenn Sie bei einer Präsentation schon vorher das Handout verteilen. Die derzeitige Lehrmeinung: Wer eine Präsentation hält, sollte seine Unterlagen auf keinen Fall schon vorher verteilen – sonst machen sich die Zuhörer während des Vortrags auf ins geistige Exil.
Damit will ein US-amerikanische Studie nun aufräumen. Die Betonung liegt auf “will”, denn die Untersuchung hat einen entscheidenen Haken – es wurde nur mit Videos gearbeitet, nicht mit Live-Präsentationen.

Die Studie im Detail

In den Settings ließen die Studienautoren 34 Studenten ein zwölf Minuten langes Video anschauen, auf dem ein Wissenschaftler eine Powerpoint-Präsentation hielt. Die einen Probanden bekamen bereits die Unterlagen, während das Video noch lief, die anderen erst im Anschluss. Dann wurden die Testteilnehmer abgefragt, um zu sehen, wie gut sie sich noch an die Präsentation erinnern konnten. Und zwar sowohl unmittelbar danach als auch eine Woche später. Siehe da: Es machte keinen Unterschied, ob sie die Unterlagen während oder nach der Präsentation erinnert hatten – beide Gruppen erinnerten sich gleich gut an das Gesehene.

Mehr noch: In einem weiteren Experiment wurden die Teilnehmer kurz nach dem Video abgefragt, allerdings konnten sie sich zuvor noch einmal auf den Test vorbereiten. Also ihre eigenen Notizen durchlesen und die Ausdrucke ansehen. Diesmal schnitten diejenigen, die die Handouts bereits während der Präsentation erhalten hatten, sogar besser ab.

Fazit

Wie gesagt, es ist von der Informationsaufnahme ein Riesenunterschied, ob Probanden ein Video mit einer Präsentation sehen oder den Präsentator selbst. Auch dafür gibt es schon lange einschlägige Untersuchungen, dass sich etwa Schüler mehr merken, wenn ein Thema von jemand vorgetragen wird oder ob derselbe Inhalt in Form eines Videos gezeigt wird. Bei der ersten Variante merken sich die Zuhörenden meist weit mehr vom Inhalt. Ich würde daher weiterhin dafür plädieren, die Handouts erst nach dem Vortrag auszuteilen. Zumindest aus der Sicht des Referenten.

Denn aus der Sicht der Zuhörer muss ich in einem Punkt den Studienautoren Recht geben

74 Prozent der Studenten bevorzugten es, vor der Präsentation bereits die Arbeitsblätter in Händen zu halten, weil es dabei helfe, Notizen zu machen.

Das stimmt sicherlich, jedoch möchte ich nicht wissen, wie hoch der Bequemlicheitsfaktor diese Zahl verzerrt…

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  1. Aus dem Blog:
    “Lehrmeinung: Wer eine Präsentation hält, sollte seine Unterlagen auf keinen Fall schon vorher verteilen – sonst machen sich die Zuhörer während des Vortrags auf ins geistige Exil.”

    Ja, bei FADEN Vorträgen, die lediglich die Folien vorlesen, ist solches Verhalten zu erwarten.

    Aber selbst bei mittelprächtigen Vorträgen gelingt es durchschnittlichen Vortragenden, die Zuhörer immer wieder zu sich zu lenken: Nicht immer, aber das ist ja auch gar nicht notwendig.

    Und auch hier zeigt sich halt (wie bei vielen anderen soziologischen Bereichen), dass viele (nicht nur manche!) Experten gar keine Ahnung haben und man sich daher auf seine eigene Erfahrung und sein logisches Urteilsvermögen verlassen sollte.

    MfG
    -cfs

    P.S. Das gilt u.a. auch für die Ernährungswissenschaften und auch die Pädagogik.


    — Christoph F. Strnadl    05.08.2010 12:36    #
  2. Genau – und dabei sollte noch differenziert werden, dass der bei der Präsentation verwendete Foliensatz nicht gleichzeitig auch das Handout darstellt. Natürlich ist es praktikabel und zeitsparend, die Folien einfach auszudrucken und zu verteilen. Wenn die Folien wirklich professionell gemacht sind, muss das Handout mehr Kontextinformation liefern.
    Und folgende Frage sollte sich der Präsentator auch immer stellen: Brauche ich wirklich Präsentationssoftware, um mein Thema vermitteln zu können? Wenn ja: In welcher Intensität? Welche Alternativen gäbe es noch?


    Andreas Reisenbauer    05.08.2010 12:49    #
  3. Und es sollte differenziert werden, um welche Themen es in dem Vortrag / der Präsentation geht. Bei rein fachlichen Inhalten bleiben meiner Erfahrung nach die Zuhörer trotz vorliegendem Handout meist gut bei der Sache. Tödlich (für den Vortragenden) wird es jedoch, wenn es um die Vorstellung eines neuen Konzepts geht (z.B. Präsentation beim Kunden). Dann überfliegen die Zuhörer das Konzept, glauben alles zu verstehen, schlafen ein oder schreiben nebenbei E-Mails, und haben am Ende gar nichts verstanden…
    Ach ja: Um den Zuhörern das Anfertigen und Zuordnen von Notizen zu erleichtern, helfen ganz einfach auch Nummern auf den “Folien”.


    Marc Achtelig    11.10.2010 16:36    #
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