Die dramatischen Folgen von falschem Hierarchiedenken

06.10.2009

Im Blog von Fritz B. Simon, führender Vertreter der systemischen Therapie und Vertreter der Heidelberger Schule, habe ich eine spannende Betrachtung zum Thema Hierarchien und deren negative Auswirkungen auf den Kommunikationsfluss in Organisationen aufgeschnappt.

In den 90er Jahren war Korean Airlines die Fluggesellschaft mit den meisten Abstürzen, obwohl ihr Flugmaterial nicht schlechter war als das anderer Gesellschaften und obwohl die Koreaner gut Techniker sind und man daher kaum Zweifel an der Qualität der Wartung haben sollte. Was zu der hohen Unfallrate geführt hat, war die Interaktion im Cockpit zwischen Pilot und Co-Pilot. Da in Korea eine Kultur der strengen und nicht zu hinterfragenden Hierarchie herrscht, war es den jeweiligen Co-Piloten nicht möglich, sich inhaltlich in einen Konflikt mit den Piloten zu begeben, wenn die offensichtlich Fehler machten oder eine Situation unklar war und der Diskussion bedurft hätte… Seit diese Erklärung gefunden wurde, werden die Cockpit-Mannschaften entsprechend – gegen die gegebenen kulturellen Erwartungen – trainiert. Die Fluggesellschaft hat seither ihren Ruf, die unfallträchtigste zu sein, verloren.

Nun, umgemünzt auf Organisationen werden hierarchiebedingte Kommunikationsbarrieren wohl keine tödlichen Folgen haben. Die Folgen sind eher monetärer Natur. Folgende Aussage höre ich sehr oft in Teamtrainings oder -coachings über Führungskräfte und Vorgesetzte, die das Hierarchiedenken sehr stark verinnerlicht haben:

“Natürlich sehen wir oft, dass ein Projekt oder ein Vorhaben an die Wand gefahren wird bzw. der eingeschlagene Weg der falsche ist. Doch auf uns wird nicht gehört. Und wenn wir versucht haben, auf Fehler hinzuweisen, werden wir zurückgewiesen. Das frustiert.”

Ein Einzelfall? Schön wäre es. In diesen Fällen ähneln sich auch Persönlichkeitsprofile der “hierarchiebewussten” Vorgesetzten:

  • kann Kritik nicht annehmen
  • bevormundet seine Mitarbeiter
  • gesteht Fehler selten/nie ein

Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an falsch verstandenes Hierarchiegehabe denken? Bitte um Ihre Kommentare!

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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>

  1. Spontan würde mir der Chef einfallen, der einfach seine Befehle ausgibt und wo es Kritik oder Hinterfragen gar nicht gibt.

    Selbstverständlich muss es in Unternehmen eine gewisse Struktur geben und es wird immer Leute geben, die Entscheidungen treffen und dafür dann auch gradestehen müssen. Das schließt aber nicht aus, dass ich mit meinen Mitarbeitern rede und mir ihre Meinung einhole. Ob die dann umsetzbar ist, ist eine andere Sache…


    Christian Molzbichler    06.10.2009 14:40    #
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