Bei einer kürzlich für einen Kunden durchgeführten Organisationsaufstellung wurde uns allen wieder einmal plastisch vor Augen geführt, wie ein Problem die Sicht auf die Lösung verstellen kann. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von der “Macht der Problemtrance” sprechen.
Ausgangssituation
Ein großes Unternehmen steht vor einer weitreichenden Umstrukturierungsmaßnahme. Organisationseinheiten werden zusammengelegt, auch massive räumliche Veränderungen für beinahe alle Beteiligten (mehrere hundert Mitarbeiter und Führungskräfte) sind in diesem “Paket” enthalten. Die Initiatoren der Umstrukturierung stehen seit Wochen und Monaten unter Beschuss, massiver Widerstand regt sich bei den unterschiedlichen Organisationsheiten. Auch Selbstkündigungen aus Protest stehen bereits im Raum.
Die Aufstellung
Die Verantwortlichen der geplanten Umstrukturierung stehen mit dem Rücken zur Wand und erhoffen sich durch eine Organisationsaufstellung einen klareren Blick auf die Lösung des Problems. Erwartet wird naturgemäß, dass die Umstrukturierung, die natürlich auch einen Platz in der Aufstellung erhält, zum Prellbock der Emotionen wird. Weit gefehlt!
Die Lösung
Die Umstrukturierung, die von einer Person repräsentiert wurde, berichtet von einer recht angenehmen Position. Auch die Organisationseinheiten (OE) selbst, die jeweils von einem Repräsentanten symbolisiert werden, bringen der Umstrukturierung sogar Wohlwollen (!) entgegen. Dennoch hakt es gewaltig im System des Unternehmens. Denn es geht weniger um die Sache, als um weiche Faktoren – wie
- Mangelnde Wertschätzung der Tradition und Wurzeln der OE
- Erkennen und Ansprechen der Stärken der OE
- Die OE vermissen eine klare Kommunikation und klare Vorgaben
- Die Unsicherheit, die von den Verantwortlichen der Umstrukturierung unbewusst ausgestrahlt wird, überträgt sich auf die OE und schlägt um in Ablehnung, Zorn und Angst
- Der Zweck der Gesamtorganisation wurde teilweise außer Acht gelassen
In der Aufstellung selbst wurden die Verantwortlichen mit diesen Punkten konfrontiert und plötzlich herrschte eine klare Einigkeit, dass alle an einem Strang ziehen müssen.
Für mich wieder mal ein spannender Prozess, an welchen Dingen es meistens bei Veränderungsprozessen in Unternehmen hakt: Selten an der Sache, meistens im direkten Umgang der handelnden Personen
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Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
