Experteninterview: In KMUs sind die Beziehungen emotionaler

24.02.2010

Der Wiener Unternehmensberater Dr. Wolfgang Meindl verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Mineralöl-, Flugzeugzuliefer- und Chemieindustrie und stellt sein Wissen Firmen aus dem industriellen und KMU-Umfeld zur Verfügung. In unserer Reihe der Experteninterviews stellte ich Herrn Meindl einige Fragen zu den Unterschieden von Veränderungs- und Produkteinführungsprozessen in Familien-, KMU- und Industriebetrieben.

Der Beraterbranche eilt nicht immer der beste Ruf voraus. Viele Vertreter dieser Branchen ergehen sich gerne in Analysen und theoretischen Ergüssen. Bei der Umsetzung in der Praxis fühlen sich die Kunden aber oft allein gelassen. Wie beurteilen Sie aus Ihrer Praxis diese Situation?

Wolfgang Meindl: Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden bei der Umsetzung von Beratungsergebnissen oft alleine gelassen werden. Um diesem Defizit entgegenzutreten, biete ich zusätzlich zur Beratung auch die Umsetzung bzw. Begleitung der Umsetzung der Beratungsergebnisse in Form von zeitlich limitiertem Task Management oder Projekt Management an, wo ich durchaus auch operative Verantwortung übernehme. Der Vorteil für den Kunden liegt darin, dass einerseits Managementkapazität zur Umsetzung vorhanden ist, andererseits er aber nicht einen neuen Mitarbeiter einstellen muss, mit allen Kosequenzen.

Die Einführung von neuen Produkten oder neuen Organisationsstrukturen ist in vielen Unternehmen auch mit Ängsten verbunden – ein Faktum, dass wir auch etwa bei Anliegen in Organisationsaufstellungen oft feststellen können. Wie nehmen Sie Ihren Kunden diese Ängste und begleiten Sie sicher durch diesen Prozess?

Meindl: Hier glaube ich auch mit meiner vorhergehenden Antwort die Lösung aufgezeigt zu haben – bei der Implementierung von vorgeschlagenen Veränderungen dabei zu sein und zu unterstützen – und vielleicht bei unpopulären Massnahmen auch die Rolle des “Buhmannes” zu übernehmen.

Ihr Spezialgebiet ist vor allem die Beratung von Klein- und Mittelbetrieben. Was unterscheidet den Beratungsprozess in einem KMU-Unternehmen von jenem in einem Industrieunternehmen?

Meindl: In einem KMU sind viele persönliche Motive und Positionen der Unternehmensleitung zu berücksichtigen, da es sich oft um die Grüder selbst handelt und eine andere emotionale Beziehung zum Unternehmen selbst, als auch zu den Mitarbeitern besteht, als in grossen Konzernen.

Familienbetriebe gelten – fälschlicherweise – oft als beratungsresistent. Vor allem wenn der Gründer oder Pionier des Unternehmens eingeschlagene Wege nicht verlassen möchte. Wie lautet Ihre Expertise dazu.

Meindl: Familienunternehmen sind sicher ganz speziell zu sehen, da dort eine andere Beziehung zwischen Gründer/Eigentümer und dem Unternehmen besteht als in grossen Firmen mit angestelltem Management – wobei keiner der beiden Fälle besser oder schlechter ist , nur als Berater muß man darauf Rücksicht nehmen. Bei Familienunternehmen wird dann die Gernze zwischen Beratung und Coaching fliessend – das ist einer der Gründe, warum ich derzeit eine Ausbildung zum Business Coach absolviere.

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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf Twitter

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