“Frauen in Wissenschaft, Forschung und Technologie” lautet das Thema des Österreichischen Forschungsdialogs der am 17. April in Krems stattfindet.
Passend dazu ein paar Gedanken zum Thema Frauen, Technik und Technologie:
In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die (zu) geringe Beteiligung hochqualifizierter Frauen in Wissenschaft
und Forschung europaweit gewachsen. Die Ursachen hierfür lassen sich anhand von empirischen Studien (vgl. Majcher und Zimmer 2004) wie folgt identifizieren:
- Frauen bevorzugen ein Studium und eine spätere Wissenschaftskarriere in den Geistes- und Sozialwissenschaften
- Der Frauenanteil ist unter den Studierenden der Ingenieurwissenschaften vergleichsweise gering.
- Frauen lassen sich eher als Männer auf Teilzeitarbeitsverhältnisse ein und akzeptieren untergeordnete berufliche Positionen.
- Die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen sind unsicherer und sie verdienen weniger als ihre Kollegen.
- In den Eliteeinrichtungen und Spitzenpositionen des Wissenschaftsbetriebs sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.
- Nur wenige Wissenschafterinnen sind in den informellen Netzwerken der forschungsorientierten Scientific Community integriert.
- Nachwuchswissenschafterinnen sind in geringerem Umfang in Kontexte der Spitzenforschung eingebunden
und arbeiten eher in lehrintensiven Beschäftigungsverhältnissen. In diesem Kontext können sie die
notwendigen Forschungsleistungen für weitere Karriere- und Statuspassagen in geringerem Umfang erarbeiten
Der Hintergrund
Was Österreich betrifft, so lässt sich feststellen, dass vor allem in technisch-orientierten Berufsfeldern ein Aufholbedarf
in Richtung Frauenbeteiligung besteht. In der industriellen Forschung lag der Frauenanteil im wissenschaftlichen
Personal (in Vollzeitäquivalent) im Jahr 2004 bei 11,5% (Statistik Austria 2004). Die Unterrepräsentanz von
Frauen gerade in ingenieurwissenschaftlichen Ausbildungsberufen wird dabei mit tief verwurzelten Rollenbildern
und –stereotypen begründet, etwa der Zuschreibung, dass Technik männlich sei oder dass Frauen kein Interesse
an Technik hätten. Technische Berufe gelten somit als „männliche“ Berufe, denen männliche Charakteristika und
Rollenbilder zu Grunde liegen. Die Forschungsergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung machen deutlich,
dass die alltagstheoretische Vorstellung vom mangelnden Interesse und der mangelnden Begabung der Mädchen
für Technik eine Geschlechterkonstruktion ist.Wertvorstellungen
Dennoch diese Vorstellungen wirken und erzeugen bereits auf
der Ebene des Ausbildungsweges und beim Berufseinstieg Selektionsmechanismen, die Frauen den Zugang zu
diesen Berufsfeldern erschweren: das sind einerseits die Normen und Wertvorstellungen einer männlich dominierten
Arbeitskultur, die wenig attraktiv auf junge Frauen wirken; andererseits schafft das eine Situation, in der Frauen
per Geschlecht eine Minderheit und Männer die Mehrheit darstellen. So kommt es, dass Frauen nur in geringem
Ausmaß in Führungs- und Entscheidungspositionen vertreten sind und es somit heute an Vorbildern für die nachfolgende
Generation von Forscherinnen fehlt. Ein weiterer Effekt mit benachteiligenden Wirkungen stellt die mangelnde
Beteiligung von Frauen in wissenschaftlichen Gremien und Netzwerken dar, in denen Entscheidungen über
Nachwuchsförderungen getroffen werden. In der Regel bleiben dabei Frauen von traditionellen Männer-Bündnisse
ausgegrenzt.Abgelegt unter Frauen in der Technik — Zum Gesamt-Archiv »
Verfasst von Andreas Reisenbauer
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
