Keine Angst vor Versprechern

18.09.2007

“Ähs” und “Ähms” schaden vielleicht dem Ansehen des Redners, nicht aber seiner Wirkung. Stolpersteine in der Sprache erfüllen vielmehr eine wichtige Funktion, meinen Forscher. Versprecher seien, sofern sie nicht in starkes Stottern ausarten, das Salz in der Suppe des Sprachflusses.

Das behauptet der Psycholinguistiker Martin Corley (University of Edinburgh/Schottland) in Bild der Wissenschaft mit einem Gedächtnistest, dass sich die Zuhörer später besser an alle Worte nach einem “Äh” erinnern konnten, egal ob sie leicht vorhersagbar waren oder nicht. Auch die Sprachwissenschaftlerin Jennifer Arnold (University of North Carolina/USA) sowie Marta Kutas und Steven Hillyard (beide University of California in La Jolla/USA beschäftigten sich mit diesem Phänomen, dass für vor allem für Vortragende und Referenten interessant sein dürfte.

Wenn der Sprecher zögere, erwarte der Zuhörer etwas Schwieriges oder Ungewöhnliches – er höre besser zu und merke sich das Gesagte länger, schreibt das Magazin “Bild der Wissenschaft” unter Bezugnahme auf drei Studien aus Schottland und den USA.

Ich mache mir bei meinen Präsentationstrainings immer gerne folgenden Spass: Nach der Präsentation frage ich oft die Zuschauer, welchen Versprecher der Vortragende dauernd in seinem Referat wiederholt halt.
War die Präsentation fesselnd, bekomme ich an dieser Stelle meist keine Antwort. Erst beim nachträglichen Betrachten am Videomitschnitt fällt den Leuten auf, dass sich da ein paar gravierende Hacker eingeschlichen haben – nur es interessiert niemand.
Für mich wieder ein Beweis: Wenn der Präsentator auf sein Publikum eingeht, wird ihm (fast) alles verziehen.

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Verfasst von Andreas Reisenbauer

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