Praxistransfer: "Messbare" Seminarerfolge

20.08.2009

Die Ergebnisse von Trainings stehen zu Recht im Fokus der Personalverantwortlichen in Unternehmen. Es geht um die Messbarkeit der Erfolge und natürlich um den Praxistransfer. Was bei technischen oder fachlichen Seminaren noch recht gut funktioniert. Bei Soft-Skill-Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung wird es dann schon schwieriger. Vielleicht mit der Ausnahme von Verkaufstrainings, wo sich der erlernte Seminarinhalt in den Verkaufszahlen positiv niederschlagen sollte.
Aber wie misst man den Erfolg eines Kommunikationsseminars oder dergleichen?

Ein Geschäftsführer eines oberösterreichischen IT-Unternehmens hat dies mal so an mich formuliert:

“Herr Reisenbauer, mein Mitarbeiter hat nun schon zwei Soft-Skill-Seminare bei Ihnen besucht. Ich bemerke aber fast keine Veränderung.”

In einem ersten Reflex könnte man geneigt sein zu denken. “Ups, hat nichts gebracht, die Seminarausgaben des Unternehmers waren umsonst.”

Mitnichten, denn die angesprochenen beiden Trainings wurden auch von intensiven Coachingeinheiten begleitet. Und darin ist es natürlich nur peripher um das Thema Kommunikation gegangen. Vielmehr wurden in dem Coaching des Mitarbeiters einige Muster in Frage gestellt, die ihn privat wie beruflich behindert haben. Wie so oft im Leben, hat die Veränderung langsam eingesetzt. Erst nach über einem Jahr waren Veränderungen im Verhalten des Mitarbeiters erkennbar. Den Weg hat der besagte Seminarteilnehmer selbst gemacht, den Stein des Anstoßes hat er im Seminar gefunden – wie er selbst immer wieder bestätigt.

Deshalb meine Antwort auf die eingangs dargestellte Forderung der Messbarkeit von Seminaren:

“Messbar bzw. beobachtbar ist nur die Veränderung, die der Seminarteilnehmer beschreitet. Und der Beobachter braucht mitunter einen langen Atem.

Passend dazu: Vor kurzem bin ich auf der Website eines Marktbegleiters gelandet. Dort wird auch der Seminartransfer in den Alltag thematisiert. Der Kollege geht aber noch einen Schritt weiter – für meine Begriffe aber einen Schritt zu weit. Denn er behauptet allen Ernstes, dass er die Steigerung seiner Seminarteilnehmer in punkto Kommunikations-, Konflikt- oder Führungsverhalten in Prozent genau messen kann und veröffentlicht diese “Ergebnisse” auch plakativ auf seiner Website. Klingt gut, der Realität entspricht dieser Verkaufsgag aber nicht.

Abgelegt unter Soft Skills, Aus der Branche —  Zum Gesamt-Archiv »

Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>

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