Das Wort „Ingenieur“ wird nach Ansicht von Prof. Dr.-Ing. habil Norbert Gebbeken in den kommenden Jahren aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwinden. Der Lehrstuhlinhaber für Baustatik am Institut für Statik und Mechanik an der Universität der Bundeswehr München und 2. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau führt dies auf das gleichzeitige Aussterben der traditionellen Diplom- und Magisterabschlüsse zurück. „Künftig wird nur mehr von einem Bachelor oder bestenfalls Master of Engineering die Rede sein“, sagte Gebbeken vor kurzem in München. Das sei äußerst bedauerlich, denn als traditioneller Abschluss habe das Ingenieur-Diplom internationales Renommee und sei für Auftraggeber ein Qualitätsmerkmal. „Deshalb sollte ein Master of Science in Deutschland gleichzeitig offiziell als Diplom-Ingenieur bezeichnet werden dürfen“, fordert Gebbeken. Der Begriff „Ingenieur“ wird es nach Ansicht von Gebbeken im deutschen Sprachgebrauch künftig allerdings durchaus schwer haben.
Ingenieur, Techniker oder Bachelor?
Gebbeken sagt weiter, dass der Bachelor nicht als Ingenieur wahrgenommen werde. Erste Absolventen würden von Unternehmen wie Techniker bezahlt. Das bedeutet ein um rund 300 Euro niedrigeres Anfangsgehalt. Wer beim Bachelor bleibt, wird in Berufen, bei denen es auf Zeugnisse ankommt, in niedrigeren Gehaltsklasen stecken bleiben. Gebbeken empfiehlt deshalb allen Studenten den Master-Abschluss zu machen: „Nicht mehr der Bachelor, sondern der Master muss der Regelabschluss des universitären Studiums sein.“
Unterschiede Deutschland/Österreich
Beim Begriff “Ingenieur” muss allerdings unterschieden werden – und zwar zwischen Deutschland und Österreich. In den beiden Ländern hat der Begriff Ingenieur eine andere Bedeutung.
Deutschland
Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist in der Bundesrepublik Deutschland seit Anfang der 1970er Jahre durch die Ingenieurgesetze der Bundesländer geschützt und wird seither nur an Absolventen entsprechender Bildungseinrichtungen verliehen. Zuvor durften (und dürfen weiterhin) auch Personen ohne eine Ingenieurausbildung, aber mit langjähriger einschlägiger Berufspraxis die Standesbezeichnung „Ingenieur“ führen.
Österreich
In Österreich ist der Titel Ingenieur eine Standesbezeichnung, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit verliehen wird.
Voraussetzung hierfür ist die Reife- und Diplomprüfung einer österreichischen Höheren Technischen Lehranstalt oder einer Höheren Land- und Forstwirtschaftlichen Lehranstalt, sowie der Nachweis die Absolvierung einer mindestens 3-jährigen fachbezogene Praxis, die gehobene Kenntnisse auf jenen Fachgebieten voraussetzt, auf denen Reife- und Diplomprüfungen abgelegt werden können
Meine Anmerkung dazu: Als gelernter Österreicher denke ich, dass sich die Standesbezeichnung “Ing.” noch sehr lange halten wird. Ob das sinnhaft ist, sei dahingestellt.
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Verfasst von Andreas Reisenbauer
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
