Vor kurzem bin ich zufällig über ein XING-Profil einer Kollegin gestolpert, die selbst Coaching anbietet. Der markige Erklärungstext zum Unternehmen lautete: “Techniker für das menschliche Betriebssystem”. Ohne jetzt auf die fachlichen Qualifikationen der Dame eingehen zu wollen, denn diese setze ich mal im guten Glauben voraus, geht es mir eher um den eingangs erwähnten Satz.
Natürlich, er bringt es knackig auf den Punkt, welche Dienstleistung das Unternehmen anbietet. Dennoch suggeriert er – zumindest für mich – folgende Aspekte:
- Der Mensch wird als “Maschine” oder “Computer” gesehen, bei dem der erfahrene “Techniker” (=Coach) nur die richtige Schraube drehen muss, um ihn wieder zum Laufen zu bringen
- Die Annahme, dass es tatsächlich “Techniken” bedarf, um Menschen auf ihren Lebensweg zu begleiten
Mir liegt es fern, das Profil und die USP einer Person oder eines Unternehmens zu kritisieren. Vielmehr geht es mir um das Gedankengut, das hinter solchen Aussagen steckt und mancherorts auch in Unternehmen anzutreffen ist. Derartige Aufträge hören sich dann wie folgt an:
“Herr Reisenbauer, ich habe mein Team schon auf zig Schulungen geschickt. Sie setzen einfach nicht meine Ziele um und mir reißt langsam der Geduldsfaden. Richten´s die Leute einfach wieder her, dass wir normal arbeiten können.”
Falls aus so einer Anfrage überhaupt ein Auftrag zustande kommt, fange ich beim “Herrichten” gleich mal bei der Führungskraft an und versuche ihm seine Grundhaltung gegenüber seinen Mitarbeitern zu spiegeln. Oft wird dann aus einem angedachten Teamcoaching nur ein Führungskräftecoaching. Gespräche, wo es aber auch nicht darum geht, auf Knopfdruck Änderungen zu erzeugen, sondern eine langfristige Änderung der Grundeinstellung zu begleiten.
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Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
