Vergangene Woche durfte ich ein sehr entspanntes Seminar zum Thema “Kundenorientierung für IT-Spezialisten” für einen Kunden in einem Seminarhotel im Wienerwald halten. Entspannt deshalb, weil die Seminargruppe fast durchwegs freiwillig teilnahmen und nicht vom Vorgesetzten “geschickt” waren. Genau diese Freiwilligkeit ist der Punkt: Nehmen Mitarbeiter nur widerwillig an Seminaren teil, so ist das die optimale Keimzelle für Widerstände, Konflikte oder Störungen. Natürlich kann man sich das als Trainer und Coach nicht aussuchen, dennoch ist es natürlich angenehmer, mit Personen zu arbeiten, die etwas Neues lernen wollen.
Dort, wo das nicht gegeben ist, muss eben sehr viel in die Beziehungsarbeit mit den Teilnehmern investiert und Störungen angesprochen und aufgearbeitet werden. Und der Output ist meist auch bescheidener wie bei freiwilligen Seminaren.
Für all jene, die unter ähnlichen Umständen manchmal “unfreiwillige” Gruppen leiten müssen, empfehle ich das Buch Widerstand als Motivation von Paul Lahninger. Meines Erachtens ist das Werk auch gut geeignet für Team- oder Projektleiter, die öfters in Meetings und Besprechungen mit Widerständen zu kämpfen haben.
Nicht immer erfolgreich
Dennoch eine Einschränkung: Nicht immer funktionieren die dargestellten Methoden. Das liegt aber nicht an diesen selbst, sondern eher im Abwehrgrund der Teilnehmer. So bekommt schon manchmal ein Trainer die Wut und Aggression zu spüren, die einem Vorgesetzten gebührt. Ein Beispiel: Vor einigen Monaten hat ich eine extrem “störenden” Teilnehmer. In drei Seminartagen wandte er mir höchstens vier bis fünf Mal seinen Blick zu, seine abweisende Körpersprache tat das Übrige dazu. Natürlich wurde dieses Verhalten von mir in einem 4-Augen-Gespräch angesprochen und – nach weiteren Eskalation – auch in der Gruppe bearbeitet. Es gelang schließlich nur teilweise, den Widerstand aufzulösen, der Seminarteilnehmer zeigte einige Anzeichen einer inneren Kündigung. Interessant war dann die Information, die ich vor kurzem über diesen Teilnehmer bekommen habe: Er hat nämlich tatsächlich gekündigt. Das Seminar war nur mehr die letzte Spielwiese…
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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
