Immer wieder weisen Personaler und Karriereberater auf die Bedeutung von „Soft Skills“ hin. Was bedeuten sie für Ingenieure? Müssen stille Techniker und Technikerinnen ihre Persönlichkeit umkrempeln, um einen Job zu bekommen? Personaler wünschen sich heute Bewerber, die neben ihren fachlichen Qualifikationen auch Geschick im Umgang mit Menschen mitbringen.
Der Grund, wieso diese schlecht messbaren, „weichen“ Fähigkeiten immer mehr gefragt sind, liegt im Wandel des Arbeitslebens. Durch die Internationalisierung der Wirtschaft treten immer mehr Menschen miteinander in Kontakt. Die Kontakte werden kürzer und flüchtiger. Deshalb sind Mitarbeiter gefragt, die ihre Aussagen auf den Punkt bringen und angenehm „rüberkommen“. Ferner hat die Halbwertzeit von Fachwissen abgenommen. Wichtiger als die Kenntnisse, die ein Hochschulabsolvent mitbringt, ist seine Fähigkeit, neue Informationen rasch aufzunehmen. Er sollte schnell Wichtiges von Unwichtigem trennen können. Hier kommt die Persönlichkeit ins Spiel: Wer sich selbst viel zutraut, entscheidet schneller.
Die eigene Persönlichkeit entwickeln
Kann man lernen, eine Persönlichkeit zu entwickeln, die den Anforderungen einer Nachwuchs-Führungskraft in modernen Unternehmen entspricht? Und kann man das lernen, ohne sich selbst zu verleugnen? Muss man, kurz gesagt, ein vollkommen anderer Mensch werden? Die Antwort lautet: Jein. Die schlechte Nachricht: Psychologen wie Christophe André und Francois Lelord gehen davon aus, dass das eigene Selbstbewusstsein vor allem davon abhängt, wie viel Zuwendung man als Kind in der Familie bekam. Soziologen wie der Darmstädter Professor Michael Hartmann argumentieren, dass über den Zugang zu Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft nach wie vor die soziale Herkunft entscheidet. Die gute Nachricht: Wem Selbstvertrauen fehlt, kann es trainieren. Wer bei einem Vortag weiß, wie er seine Hände hält, fühlt sich sicherer. Wer vor einem Telefonat tief durchatmet, spricht nicht mehr mit gepresster Stimme. Die Beispiele ließen sich lange fortsetzen. Ein Training verändert nicht den Kern der eigenen Persönlichkeit.
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Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
