Vorige Woche war es mal wieder so weit: Ein Abteilungsleiter eines größeren Unternehmens in Tirol hat mich kontaktiert und dringend um die Durchführung einer Teamentwicklungsmaßnahme gebeten.
Zitat:
“Wir müssen das ganz schnell durchziehen, weil die Status quo einfach nicht mehr haltbar ist. Die gesamte Abteilung driftet auseinander.”
Ganz schnell bedeutete in den nächsten vier Wochen – was grundsätzlich kein Problem war. Wie auch sonst üblich, machte ich mich auf dem Weg zum Kunden, um alle Details für das 3-Tages-Seminar zu besprechen. Im Gepäck hatte ich natürlich schon eine Vorahnung, was mich erwartet. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Nach den Schilderungen durch den Abteilungsleiter dürfte der Teamalltag eher einem Schlachtfeld gleichen als einer Gruppe, die gemeinsam für ein Ziel arbeitet. Mobbing, Intrigen und Rangkämpfe waren die Parameter für den ganz alltäglichen Wahnsinn. Der Auftrag an mich war, in diesen drei Tagen den Umkehrschub einzuschalten und das Team wieder zu stabilisieren.
Ohne hier auf die näheren Details eingehen zu wollen, hat sich durch die gemeinsame Konzeptionierung und hunderten Fragen meinerseits ein anderes Bild ergeben. Zur kurzfristigen Stabilisierung wurden punktuelle Einzelcoachings mit den Führungskräften (Abteilungsleiter plus drei Teamleiter) mit Hilfe von Aufstellungen am Systembrett durchgeführt. Vor allem, damit Änderungen bereits jetzt kurzfristig von “oben herab” initiiert werden können. Ja, und das Teambuilding wird in den nächsten Monaten stattfinden – allerdings unter anderen Voraussetzungen.
Warum ich diesen Auftrag so detailliert darstelle? Es kommt in der Praxis leider nicht zu selten vor, dass Trainer und Coaches erst dann geholt werden, wenn der Hut brennt. Wir werden dann oft als Feuerwehrmänner missverstanden, die ein loderndes Flammenmeer zu löschen haben. Das funktioniert auch mitunter, man sollte sich aber klar sein, dass tiefe Konflikte sich nicht in ein oder zwei Seminartagen auflösen lassen. Hier ist eine längere Begleitung gefragt. Und damit es überhaupt nicht so weit kommt: Prävention.
Die kann bespielsweise erfolgen durch:
- Früherkennung von Störungen in Teams durch den Vorgesetzten
- Versteckte Signale des Teammitglieds bei Mitarbeitergesprächen
- Auffällige Häufung von Krankenständen
- Das für eine gute Zusammenarbeit unbedingt erforderliche Wir-Gefühl ist nicht mehr vorhanden.
- Bei gemeinschaftlichen Veranstaltungen (Firmenausflug, Feiern etc.) sondern sich immer wieder dieselben Personen ab.
Und wenn ein Team neu zusammengesetzt wird:
- Die Zeit in der Anfangsphase nutzen, um eine Teamentwicklungsmaßnahme durchführen zu können.
Vorteil:
- Jedes Teammitglied erhält den Raum und die Zeit, seine eigene Rolle in der neuen Gruppe zu finden und definieren
- Etwaige vorhandene negative Energien aus früheren Zusammenarbeits-Verhältnissen werden hier abgefangen und aufgearbeitet
- Mitarbeiter werden zusammengeschweißt
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Verfasst von Andreas Reisenbauer
Andreas Reisenbauer
(SYSCOMM-Inhaber)
