Wie die Väterbilder uns im beruflichen Alltag prägen

17.08.2009

“Was wollen Sie von Ihrem Chef, was Sie von Ihrem Vater nicht bekommen haben?”

Diesen Klassiker aus den Coaching-Fragetechniken hat vor kurzem Nico Rose in seinem Blog thematisiert. Für mich ist diese Frage besonders spannend in der Führungskräfte- und Teamentwicklung und ich möchte sie auch hier in diesem Blog aufgreifen. Unbewusst suchen viele Mitarbeiter in ihrem Chef eine “Vaterfigur” – mit all seinen positiven und negativen Begleiterscheinungen.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Jemand, der einen recht “unsichtbaren” Vater hat, wird sich auch im Berufsleben einen solchen “unsichtbaren” Chef wählen. Was bedeutet nun “unsichtbar”?

  • Entscheidungsschwäche
  • Geringe Authorität
  • Selbstwertprobleme
  • Alkoholismus etc.

Während in der ersten Zeit in einem neuen Unternehmen, dem neuen Mitarbeiter diese Parallelen vom Chef zum eigenen Vater nicht auffallen, ist dies beim ersten Auftreten von Problemen sehr wohl der Fall. Stellt man diesen Personen dann die eingangs erwähnte Frage, sprudelt es nur so aus ihnen heraus und die Querverbindung zwischen Privat- und Berufswelt wird klar ersichtlich. Diese Querverbindung kann natürlich mannigfaltige Ausgestaltungen haben und sollte keinesfalls als sakrosankt angesehen werden.
Festzustellen ist allerdings, dass sich die “unbewusste” Wahl des Chefs verändert, wenn ein Mitarbeiter auch seine private Vatergeschichte bearbeitet hat (etwa bei einer Therapie, im Coaching oder durch eine Aufstellung). Gelingt dieser Schritt, werden oft lange Phasen, die durch oftmalige Jobwechsel gekennzeichnet sind, beendet.

Was bedeutet das im Führungskräftekontext

Spannend ist die eingangs geschilderte Frage natürlich auch im Führungskräftekontext – natürlich im umgekehrten Sinn. Denn erstmals haben wir alle in unserem Elternhaus “Führung” erlebt. Auch hier ist speziell die Vaterrolle interessant. In vielen Coachings reflektieren Nachwuchsführungskräfte nach ein bis drei Jahren in Führungsverantwortung ähnlich: “Mir war gar nicht bewusst, welche Ähnlichkeiten in meinem Führungsverhalten zu meinem Vater bestehen.”
Ich stelle dann meist folgende Fragen, um mit dem Klienten lösungsorientiert weiterarbeiten zu können:

  • “Was war davon gut, was wollen Sie von den Führungseigenschaften Ihres Vaters mitnehmen?”
  • “Was möchten Sie anders machen?”

Voraussetzung, um einen solchen Weg im Coaching gehen zu können, ist ein einigermaßen reflektiertes Vaterbild. Ansonsten verfallen die Klienten nach kurzer Zeit in ihre alten Muster zurück.

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Verfasst von Andreas Reisenbauer – folgen Sie Ihm auch auf <a href="http://twitter.com/AReisenbauer" target="_blank">Twitter</a>

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